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Dr.Dr. Günther Gereke: Gereke-Leben und Wirken
geschrieben von: WolfgangAnders am Dienstag, 28. Mai 2002, 21:36 Uhr |
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G E R E K E - Leben und Wirken
Von
Wolfgang Anders
Leipzig 2000
Inhalt :
-Kindheit in Gruna an der Mulde
-Ausbildung und Studium
-Lanzenreiter Gereke im Ersten Weltkrieg
-Referendar in Düben
-;Wildschadenersatz;
-Königlich-Preußischer Landrat
-Politik in der Weimarer Republik
-Verbandspräsident Gereke
-;Die Landgemeinde;
-Reichskommissar für Arbeitsbeschaffung
-Die Wahlkampfspende
-Im Widerstand
-Deckhengste im Wildenhainer Bruch
-Ost und West
-Im Agrarausschuß des Bundestages
-Die Nationale Front Ich war königlich-preußischer Landrat;
1. Propaganda-Broschüre
2. Autobiographie
-DDR-Vollblutzucht
-Die Zentralstelle für Vollblutzucht
-Nachruf
-Abbildungsnachweis
Literatur
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Kindheit in Gruna an der Mulde
Nördlich von Leipzig, unmittelbar vor dem Städtchen Bad Düben, was der Dübener Heide den Namen gab, liegt das Dorf Hohenprießnitz.
Wenn man die Bundesstraße 2 von Leipzig nach Bad Düben fährt, geht im Orte Wellaune, einem der Schauplätze der Kohlhaase-Geschichte, die Bundesstraße 107 ab.
An der Mulde gelegen - ein Fußweg führt vom Schloß Hohenprießnitz durch einen alten Park direkt zu einer kleinen Fähre über die Mulde. Auf der anderen Seite erwartet den Wanderer das Fährhaus Gruna. Ein kurzer Weg, eher eine Dorfstraße und man gelangt in den Ort Gruna, der heute zu Laußig gehört. Ein verschlafenes Nest. Ein verlassenes Gut, nach allen Seiten offen und verwildert. Das war das Gut der Familie Gereke, die aus Richtung Magdeburg kommend, sich zunächst beim Grafen Hohenthal in Hohenprießnitz niedergelassen hatte.
Hier in Gruna wurde im Jahre 1893 Günther Gereke geboren.
Die Mulde bildete hier zu dieser Zeit die Grenze zwischen Sachsen und Preußen, genauer gesagt, hier grenzte die Preußische Provinz Sachsen an das alte Sachsen.
Bis zum Wiener Kongreß von 1815 war hier alles Sachsen...
Das sollte Günther Gereke im Laufe seiner ansonsten sorgenfreien und friedlichen Kindheit schon noch bewußt werden. Achtete doch die gestrenge Mutter darauf, daß er beim Spielen mit den Dorfkindern nicht allzusehr verwilderte und den weniger beliebten sächsischen Dialekt annahm. Als Leipziger muß ich aber sagen, daß der dortige Dialekt mir als Sachse schon außerordentlich fremd vorkam, das brandenburgisch-preußische klang schon an. Einen ähnlichen Dialekt hatte ich als Landwirtschaftsstudent in der Gegend um Zeitz, Sachsen-Anhalt, aber auch schon gehört.
Außerdem wurde Günther zu Hause von einem Hauslehrer erzogen und ausgebildet.
Die Mutter muß eine strenge und sehr standesbewußte Person gewesen sein. So berichteten mir noch Anfang der siebziger Jahre die Einheimischen aus Görschlitz und Pressel, ein paar Kilometer nordöstlich von Gruna, von der Mutter Gereke, Besitzerin des Gutes in Pressel und der Landvilla im Stile eines kleinen Jagdschlosses, die stets schwarz und korrekt gekleidet in stolzer Haltung im Einspänner durch die Dörfer nach Düben fuhr.
War doch ihr Sohn erst Referendar in Düben und später sogar kommissarischer königlich-preußischer Landrat in Kyritz, sowie zu Beginn der Weimarer Republik auch noch Landrat in Torgau.
Günther wuchs sehr freizügig auf und verbrachte einen großen Teil seiner Kindheit und Jugend mit Pflanzen, Reiten und Jagen.
Das sollte ihm im Ersten Weltkrieg noch von Nutzen sein.
Seine Eltern übernahmen das freigewordene Gut in Pressel, dazu das Anwesen auf der Winkelmühle, welches sie als Vorwerk mit bewirtschafteten.
Die Winkelmühle in der Mittelheide, nahe Wöllnau, liegt etwas abseits vom Wildenhainer Bruch und unterhalb des Zadlitzbruches. Beides sind sehr interessante Hochmoore, die zur Torfgewinnung genutzt wurden. Im Zadlitzer Bruch, wohin der Autor mit Berufsschullehrern eine Kollegiumsfahrt organisierte, gibt es noch den seltenen Sonnentau, die einzige fleischfressende Pflanze in unseren Landen.
(Siehe auch „Eine Kollegiumsfahrt in den Zadlitz-Bruch“ im September 1981 in
„Tagebücher“ von Wolfgang Anders, Leipzig 2000)
Ausbildung und Studium
Als der Vater starb, mußte Günther mit seiner Mutter die Landwirtschaft selbständig betreiben.
Darüberhinaus begann er in der nahegelegenen Reichsmessestadt Leipzig ein Studium der Jurisprudenz. Immerhin hat Leipzig nach Heidelberg die zweitälteste deutsche Universität in ihren Mauern.
Kontakte zur Familie des Hausarztes Ramdohr spielten dabei eine Rolle.
Das war im Jahre 1912.
Gereke sattelte in seinem ersten Herbstsemester jeden Früh sein Pferd und ritt von Pressel durch den Wald zum Eisenbahnhaltepunkt Rotes Haus, wobei das Eilenburger Rote Haus gemeint ist und nicht das bessere Restaurant Rotes Haus in der Neutzscher und Prellheide an der Bundesstraße 2 zwischen Krensitz und Wellaune mit seiner Kohlhaase-Geschichte.
Mit der Eisenbahn fuhr Gereke über Eilenburg nach Leipzig. Vom Leipziger Hauptbahnhof ist es zur Universität nicht mehr weit. Dazu muß man als Leipziger sagen, daß die Uni genauso in Leipzig verstreut gelegen ist wie die Messe mit ihren verschiedenen Messehäusern. Das veranlasste einen alten Leipziger vor vielen Jahren am Hauptbahnhof zu einem Reisenden auf dessen Frage zu antworten : „Nu, hier iss iewerall Messe.“
Später besuchte Gereke auch noch andere Fakultäten und verlegte sein Studium für einige Zeit nach München. Dort ritt er auf der Rennbahn im Training Vollblüter, da er auch Rennen reiten wollte. Ein Sturz setzte dem ein Ende.
In dieser Zeit beobachtete ihn ein gewisser.....
Lanzenreiter Gereke im Ersten Weltkrieg
Das Deutsche Reich trat an der Seite der Kaiserlich und Königlichen Monarchie Österreich-Ungarn als Bündnispartner in den Krieg ein.
Keineswegs ging dieser Krieg nur von deutschem Boden aus. Die Weltmacht Großbritannien sah stets mißtrauisch von ihrer Insel auf das Festland und hatte, ebenso wie Frankreich und teilweise auch Italien, ihre schmutzigen Finger auch auf dem Balkan mit im Spiel. Darüberhinaus kungelte die britische Politik mit dem russischen Riesenreich. Der russische Außenminister Iswolski soll nach Ausbruch des Krieges gerufen haben: „Das ist mein Krieg !“
Der junge Gereke meldete sich als Freiwilliger zur Front, erhielt eine Ausbildung in Torgau und wurde schon bald an die Ostfront versetzt.
Zu einem Melderitt meldete sich Gereke freiwillig.
Der Hauptfeldwebel achtete darauf, daß er als Husar die Lanze mitnahm, die zur Ausrüstung gehörte. Kaum außer Sichtweite stellte er die Lanze an einen Baum. Dort steht sie wahrscheinlich heute noch...
Alles mitschleppen, was irgendwie dazugehören sollte. Dieses Phänomen kenne ich zur Genüge, daß hat sich wohl auch nicht sehr geändert. Und wenn wir deswegen den Krieg verlieren - Hauptsache, das Kochgeschirr und eine saubere Kragenbinde waren dabei !
Gereke, um einige Kilo erleichtert, ritt in die Nacht. Am Horizont tauchten die Silhouetten von Reitern auf. Anscheinend Kosaken. Sie kamen von deutscher Seite und waren eventuell hinter die feindlichen Linien geraten. Sie griffen Gereke an. Gereke runter vom Pferd, Gewehr raus und Feuer frei auf die herangaloppierenden Kosaken. Zwei feindliche Reiter fielen, die übrigen wendeten die Pferde und flohen.
Einer der Gefallenen war offensichtlich ein höherer russischer Offizier. Gereke nahm die Kartentasche an sich und ritt so schnell wie möglich zu seiner Truppe. Dort stellte man nach energischer Intervention Gerekes fest, daß es sich um aktuelle Pläne der russischen Truppen handelte. Sofort wurden Gegenmaßnahmen ergriffen und mit Artilleriefeuer geantwortet.
Gereke wurde ausgezeichnet und befördert.
Die Lanze, die - wo immer noch steht - hat er nicht gebraucht.
Referendar in Düben
Gereke zog es nach seiner Ausbildung ganz sicher in seine Heimat zurück. Bewirtschaftete doch seine Mutter alleine das Gut in Pressel mit dem Vorwerk Winkelmühle.
In Eilenburg erhielt er eine Stelle am Amtsgericht als Referendar. Zu seinen Pflichten gehörte es, seinen Amtsrichter ... auch in das kleine Städtchen Düben zu verschiedenen Amtshandlungen zu begleiten. Eines Tages war der Amtsrichter erkrankt und Gereke entschloß sich deshalb, eine anberaumte Gerichtsverhandlung selbst zu leiten, um den Termin zu retten und den Bauern aus der Umgebung einen weiteren Zeitaufwand zu ersparen.
Möglicherweise waren hier auch die väterlichen Vorfahren meiner Frau in Streitigkeiten über Grund und Boden verwickelt.
Kurz und gut, Gereke entschied die Sache zur Zufriedenheit aller Prozeßbeteiligten, was auch unter dem Aspekt der Anfechtbarkeit wichtig war.
Abb.:
Preußische Privat-Gestüts-Brände.
Gestütsbrände, Tafel IX.
11 Graf Lehndorf, Steinort b. Angerburg.
(flache Krone über einer liegenden Elchschaufel)
Lit.: Das Pferd Ein Handbuch über Bau....., in 2 Bänden, Band 1, von Lampe, Davenport und Nagel, Leipzig. Ernst Wiest Nachf., Verlagsbuchhandlung. 1902.
Anmerkung: Über den 1893 in Gruna auf dem Gut geborenen Dr. Gereke ist sicher schon viel berichtet worden. Dennoch wird Gereke in der bundesdeutschen Realität kaum wahrgenommen. Seine politischen Gegenspieler, wie Adenauer oder Prof. Schiller, schon eher. Deshalb berichte ich gern im Vortrag über interessante Aspekt aus dem Leben von Gereke. Außerdem wollen wir nicht alles den Presslern überlassen.
Der Untertitel lautet übrigens etwas provozierend: Hitler, Gereke und die DDR
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